FDP.Die Liberalen
Dübendorf
Ortspartei Dübendorf
21.10.2018

Besuch Felslabor «Mont Terri»

Am 22. September konnte ich zusammen mit der FDP und den Jungfreisinnigen des Bezirks Dielsdorf das Felslabor in Mont Terri im Jura besuchen, wo an der sicheren Tiefenlagerung von radioaktiven Abfällen geforscht wird. Im aktuellen Energie- und Klimapolitischen Kontext ist dies ein sehr wichtiges und interessantes Thema.

Der sonnige Herbstmorgen machte die Anreise in die wunderschöne Juralandschaft zu einem wahren Vergnügen. Nach einer Zwischenverpflegung mit Kafi und Gipfeli wurden uns die verschiedenen Aspekte der geologischen Tiefenlagerung in der Schweiz von einem Experten der NAGRA erklärt. Die Abklärungen bezüglich der Tiefenlagerung von radioaktiven Abfällen haben schon Ende der 1970er Jahre begonnen. Zu diesem Zweck sind von der NAGRA derzeit drei potentielle Standorte ausgewählt worden, welche nun genauer untersucht werden. Diese Standorte sind die Regionen Zürich Nordost, Nördliche Lägern sowie Jura Ost. Gemäss aktuellem Zeitplan sollte ab ca. 2035 der Bau eines Tiefenlagers erfolgen und ab 2060 sollte mit der Einlagerung begonnen werden.

Das vom Bundesamt für Landestopographie swisstopo betriebene Felslabor Mont Terri ist eine internationale Forschungseinrichtung, an welcher sich neben den schweizerischen NAGRA und ENSI zahlreiche weitere staatliche und private Partnerorganisationen aus dem Ausland beteiligen. Der Forschungsschwerpunkt von Mont Terri ist die Eignungsabklärung des Opalinustongesteins für die Einlagerung von radioaktiven Abfällen.

Nach dem Vortrag ging es die Bergstollen, wo die eindrücklichen Experimente zur Untersuchung der hydrogeologischen, geochemischen und geotechnischen Eigenschaften von Opalinuston angeschaut werden konnten.

Zum Abschluss des Besuchs gab es einen sehr feinen Apéro, welcher auch eine gute Gelegenheit darstellte, sich über die hochaktuellen Fragen der Energiepolitik, Kernenergie und Tiefenlagerung austauschen zu können. Ich möchte mich an dieser Stelle bei der NAGRA, bei Frau Gabriela Winkler, der FDP Dielsdorf und allen sonst an der Durchführung und Organisation Beteiligten für den hervorragend gelungenen Anlass herzlich bedanken.

Ein interessanter Fakt ist das Gesamtvolumen des radioaktiven Abfalls, welcher in der Schweiz bisher angefallen ist und bis zum Betriebsende der zur Zeit betriebenen Kernkraftwerke noch anfallen wird. Dieses Volumen entspricht etwa der Halle des Zürcher Hauptbahnhofs. In Anbetracht dessen, dass die Kernenergie seit Jahrzehnten etwa 40% der schweizerischen Stromproduktion ausmacht, ist dies nicht besonders viel. Da die neusten Kernreaktortypen in der Lage sind den «radioaktiven Abfall» als Brennstoff zu verwenden, und somit daraus Energie zu erzeugen, wird das Volumen, welches tiefengelagert werden muss, vermutlich noch sinken.

Der weltweite, grossflächige Einsatz von Kernkraftwerken der neusten Generation wird in Zukunft unbedingt notwendig und auf längere Sicht unvermeidbar sein, um die klimaschädlichen Energieversorgungsträger wie Kohle und Erdöl zu ersetzen, ohne dabei den jetzigen Lebensstandard und somit die Akzeptanz dieses Prozesses zu gefährden.

Leider herrscht im medialen und gesellschaftlichen Diskurs grosses Halb- und Unwissen über die Kernenergie, die Kritik daran lässt oft Konstruktivität missen und es werden häufig Fehlinformationen verbreitet.

Ich würde den Besuch des Felslabors Mont Terri jedem empfehlen.

 

 

Stephan Radonic

Stephan Radonic